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Packet Radio Mailbox

DBO595

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DPH206 > HOBBY    14.01.90 17:46l 257 Lines 11279 Bytes #999 (999) @ DL
BID : E1[DBX20600Q
Subj: Die Not mit den Nodes
Path: DBO595<DOK346<GF1BOX<DBX206
Sent: 260114/1632z @:DBX206.#GS.NDS.DEU.EU [Wolfshagen/Harz JO51D] OBcm1.06 LT:
From: DPH206 @ DBX206.#GS.NDS.DEU.EU (Holger)
To:   HOBBY @ DL
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Hallo liebe Funkfreunde,

hier folgt mal eine kleine Erläuterung zu den Unterschieden von "AX25IP 
Packetradio" zu anderen digitalen Betriebsarten wie zB. APRS, JS8CALL oder 
FT8.
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Fakt 1:
Packet Radio AX25 ist in der heutigen Zeit untrennbar mit dem Internet 
verbunden,
gleichgültig ob der jeweilige Benutzer eine Internetverbindung hat oder nicht! 
Jedes vermeintlich nur über Funk ausgesendete Signal kann (je nach 
Sendeleistung) 
von hunderten bis tausenden von anderen Stationen empfangen werden. Da auf 
Grund 
der frei verfügbaren Software viele bereits "vernetzt" sind, kann man in der 
Regel davon ausgehen, das ein ausgesendetes Signal nach wenigen Sekunden 
sowohl 
im WEB als auch im Funk(Netz) evtl. weltweit zur Verfügung steht. Spätestens 
nach 
einem erfolgreichen (Funk)Connect zwischen 2 Stationen existiert im Netz eine 
Route welche diese beiden Stationen verbindet. Jeder NODE (Netzwerk Knoten) 
der 
die Signale der beiden Stationen empfangen hat trägt diese mit den von ihm 
selbst 
ermittelten "RTT" (Laufzeiten) und Qualitäten in seine MH-Liste ein. 
Gleichzeitig 
werden diese Daten den in (Funk)Reichweite befindlichen "Nachbar Nodes" über 
den 
sog. "Nodes Broadcast" mitgeteilt.

Fakt 2:
Auch wenn ein User nur ein Terminal und ein Soundmodem verwendet stehen 
trotzdem 
(fast) alle Ax25 Funktionen zur Verfügung. Lediglich die Konfiguration der 
verwendeten Software bestimmt ob die betreffende Station als Node oder 
Digipeater 
oder nur als Terminal arbeitet. Eine nicht den jeweiligen lokalen 
Gegebenheiten 
und technischen Erfordernissen korrekt angepasste Node Konfiguration 
verbessert das
Netz nicht, sondern verschlechtert (auf Grund des höheren Datenaufkommens und 
unnötiger, fehlkonfigurierter Baken) die (Funk)Netzqualität für alle 
Benutzer! Da 
die RTT Zeiten und Qualität der H-Routen vorrangig vom Datenaufkommen im Netz 
abhängen, bremst jeder weitere falsch betriebene Node das gesamte System 
weiter aus.
Man ist also auch beim "Funkbetrieb" immer "im Netz". Also belastet man mit 
der 
persönlichen (Funk)Aktivität nicht nur den eigenen Kanal, sondern evtl. 
weitere 
Kanäle anderer Nodes in Reichweite welche das empfangene Signal wiederum 
aussenden...

Beim AX25 bestimmt also das (Funk)Netz selbst auf welchem Weg versucht wird 
das
vom Benutzer gewünschte Ziel zu erreichen. Hat ein Benutzer eine vermeintliche
Funkverbindung hergestellt und schaut in MH-Liste der connecteten Station (des
entsprechen Funkports) und findet dort sein Rufzeichen, bedeutet dies 
lediglich
das die zugehörige Station dieses Signal über Funk empfangen hat. Oft ist 
jedoch
nur sehr schwer (oder gar nicht) erkennbar ob dieses das "Originalsignal" oder
nur ein (gedigipeatetes oder geroutetes) Signal eines anderen Nodes ist. Um
dieses zu ergründen bleibt oft nur alle zu dieser Verbindung verfügbaren 
Routen
(mit dem R Befehl) aller evtl. beteiligten Nodes zu überprüfen... Will man 
also
(relativ) sicher sein wirklich eine direkte Funkverbindung hergestellt zu 
haben,
sollte man also besser FT8 oder JS8Call für diesen Zweck verwenden.

Fazit:
Sog. "Nodes" (Netzwerk Knoten) arbeiten mit einem 4 Schichten Protokoll 
(LayerL1-L4)
wobei sie untereinander im L3+L4 datenkomprimiert arbeiten um Bandbreite zu 
sparen
und den Datendurchsatz zu erhöhen. Andere Betriebsarten z.B. "APRS" hingegen 
nutzen 
nur die unteren 2 Schichten. Ruft ein User oder ein Digipeater im L2 also 
einen NODE
ist dieses ein "UPLINK" von L2 auf L3-4, verbindet sich ein Node vom L4 zu 
einem
User oder einem Digipeater so ist dieses ein "DOWNLINK" hinunter auf L2.

Alle L1-L2 "Frames" (Datenpakete) werden ungerichtet als sog. "UI Frames" 
versendet, 
gleichgültig ob man ein "Ziel" angibt oder nicht. Auch spielt es bei AX25 
keine 
Rolle ob man mit einem "unvernetzten" System (z.B. TNC3 + Funkgerät + 
Solarpanel 
auf einem einsamen Berg) oder einem PC ohne Internet arbeitet.

AX25 ist ein Netzwerksprotokoll, d.h.: alle Stationen welche dein Signal 
empfangen 
sind miteinander "vernetzt" und verbreiten (digipeaten oder routen) dieses 
Signal 
weiter (abhängig von der Konfiguration der Station), auch wenn man evtl. nur 
eine
Station als Ziel und keinen (via)Pfad angegeben hat. Da der überwiegende Teil 
der
Stationen, welche das Signal empfangen, auch über das Internet vernetzt sind 
(z.B der DNO206) kann man davon ausgehen das die gerufene Station dich nicht 
nur 
direkt, sondern ebenfalls über diverse weitere (via) Routen empfangen kann!

Ein Beispiel:
Du hast den PORNOD (Alias: POR001-8) direkt empfangen und versuchst ihn zu 
connecten: "c POR001-8"
Jetzt wird's vertrackt: der schnellste Weg ist der direkte, d.h. über Funk, 
die 
langsameren Wege führen über die gleichzeitig enstehenden (via)Routen und 
erreichen den PORNOD einige Sekunden später. 
Da der PORNOD "H-Routing" (Erläuterung weiter unten) unterstützt entscheidet 
er 
selbstätig auf welchen Weg er dir antwortet. Hat er dein Funksignal direkt 
empfangen
und fehlerfrei decodiert, antwortet er dir über Funk, ansonsten wählt er die 
nächstbessere (schnellere) H-Route.

nehmen wir mal an er hat dich direkt empfangen und fehlerfrei decodiert, 
wählt also
den direkten (Funk)Weg: er antwortet dir mit einem "RR 
(nummer).."(RR=Received Ready)
hat dein System dieses korrekt empfangen und decodiert erhälst du: "Connected 
to 
POR001-8" und deine Software bestätigt dieses automatisch mit "RR (nummer).."
hat der PORNOD deine Bestätigung empfangen und korrekt decodiert ist die 
Verbindung hergestellt und du erhälst das "Login Prompt" (nur wenn der Sysop 
es 
so konfiguriert hat). In allen anderen Fällen wird der Frame (nummer) 
wiederholt 
(nummer 1-10) bis er von deinem System korrekt bestätigt wurde. Je nachdem wie 
lang die Laufzeit "RTT" (Round Trip Time) und die Qualität der Verbindung ist 
kann dieser Vorgang durchaus mehrere Minuten dauern...- während auf deinem 
Bildschirm (ausser dem "Handshake" im Monitor) und dem "Connected.. " nix 
passiert.
klappt die Verbindung auch nach max. 10 Versuchen (RR nummer) nicht erhälst du 
ein "Failure with... ".

die zweite Möglichkeit wird noch "vertrackter":
weil der Zielnode dein Funksignal direkt nicht korrekt decodieren oder 
empfangen 
kann wählt er eine "H-Route". Da die "H-Routen" von der jeweiligen 
(Node)Software 
selbst ausgehandelt werden, somit also von den Kenntnissen und Fähigkeiten der 
(Node)Betreiber (Stationsysops) welche die Konfiguration ihrer Systeme 
vornehmen
abhängig sind, kann man sich leicht vorstellen wie es um die Qualität der im 
freien 
(Funk)Netz vorhandenen "H-Routen" bestellt ist. 

Insbesondere wenn die frei zur Verfügung stehende (End 
user)"EinKlickSoftware" einem 
vorgaukelt mit wenigen Klicks für Jederman konfigurierbar zu sein. Der 
ahnungslose 
User merkt meist erst nach dem längeren Studium von MBytes an "leicht 
verständlichem 
Fachchinesisch" oder "netzwerkvermüllenden Ausprobieren" oder 
fehlkonfiguriertem
"Broadcast" wie komplex die Konfiguration von  AX25 Netzwerken ist...
Von "unendlichen" Laufzeiten bis zu "toten" Routen oder den "beliebten LOOPs"
ist da fast Alles vorhanden. Und das Ganze ist dann auch noch quälend langsam 
...

Ansonsten läuft das gleiche "Spielchen" ab wie zuvor beim Direkt Connect 
beschrieben, nur sind die "Variationsmöglichkeiten" noch vielfältiger! 
Von Verbindungen innerhalb weniger Sekunden bis zu Stunden Wartezeit, oder dem 
"sanften Einschlafen" der (Terminal)Software ist Alles möglich...

Aus dem zuvor erläuterten wird deutlich wo die gravierenden Unterschiede 
zwischen 
"AX25 1200Baud Packet" und APRS oder gar JS8Call oder FT8 liegen:

Mit APRS oder JS8Call braucht es kein korrekt funktionierendes Netzwerk oder 
fehlerfrei decodierte Frames um mit anderen Stationen zu kommunizieren! Es 
genügt 
ein korrektes Zielrufzeichen (oder via Pfad) einzugeben und zu senden! Sobald 
der 
Empfänger meint er hat "Irgendetwas" von "Irgendwem" empfangen kann er 
versuchen 
auf die gleiche Art zu antworten. "Peer to Peer"! Verbale Sprachkentnisse 
reichen! Keine komplizierten Protokolle, Layer, Netzwerke oder aufwendige 
Konfigurationen ...

Ist JS8Call also "besser" als "AX25 Packet"? 
Aus Sicht des "Kommunikationsinteressierten" mag das eventuell so scheinen, 
stellt 
man jedoch das "Technikinteresse" und die Möglichkeit sich selbst "ein wenig
schlauer" zu machen in den Vordergrund, sieht es meines Erachtens schon ganz 
anders aus. Sicher ist die "Herausforderung" in einem eigentlich 
"katastrophalen 
(Funk)Netzwerk" mit rechtlich "engen Grenzen" und einer "jahrzehntealten 
Betriebsart"
etwas funktionsfähiges zu erreichen ungleich grösser! 

Ich habe zumindest diese "Herausforderung" angenommen und werde weiter 
versuchen 
(unter Einsatz von etwas "Gehirnschmalz") ein brauchbar funktionierendes 
System 
zuwege zu bringen. Ich finde etwas "Schwieriges" zu versuchen macht viel mehr 
Spass als etwas "Einfaches" nur zu "benutzen". 
Etwas "Neues" (oder Altes) zu ergründen, zu erlernen und vielleicht sogar 
etwas zu 
verstehen ist sicher das grösste Erlebnis, welches man in diesem schönen 
Hobby haben kann.

vy 73 de Holger (Hoko) SWL: 13DPH206
APRS: DPX206, AX25: DPH206 SysOP: DNO206, DBX206, DAX206


Anhang:
* Google's KI Erläuterungen zur H-Route:

Eine H-Route (oder Heap-Route/Heap-Routing) im Packet Radio ist ein spezieller 
Routing-Mechanismus in Netzwerken wie dem HAMNET (dem deutschen 
Amateurfunknetz), 
der eine priorisierte, hierarchische Pfadauswahl ermöglicht, um Datenpakete 
effizient durch das Netz zu leiten, oft mit Fokus auf Stabilität und das 
Vermeiden von überlasteten Knoten. Es ist ein intelligentes Routing, das nicht 
nur den kürzesten Weg nimmt, sondern den optimalen Pfad basierend auf 
verschiedenen Faktoren (z.B. Qualität der Verbindung, Auslastung der Knoten) 
wählt, indem es die äHeap“-Struktur zur Verwaltung möglicher Routen nutzt, 
ähnlich einem Prioritäts-Heap in der Informatik. 

Wichtige Aspekte einer H-Route:
Intelligentes Routing: Im Gegensatz zu einfachen Digipeatern (die Pakete nur 
weiterleiten), entscheiden intelligente Knoten (wie z.B. BPQ32-Instanzen), 
über 
welchen Weg das Paket am besten zum Ziel gelangt. Qualität und Stabilität: 
H-Routen zielen darauf ab, Verbindungen mit hoher Qualität und geringer 
Latenz zu 
bevorzugen, um zuverlässige Datenübertragung zu gewährleisten. Verfügbarkeit 
von 
Pfaden: Sie können auch "Fallback"-Routen definieren, falls eine primäre 
Verbindung ausfällt, um die Netzwerkkonnektivität zu sichern. 
Netzwerk-Topologie: 
Solche Routen werden durch die Konfiguration der Netzwerk-Knoten (Sysops) 
erstellt und gepflegt, oft unter Nutzung von Protokollen wie AX25.

Vereinfacht erklärt: Stellen Sie sich vor, Sie wollen einen Brief senden. 
Anstatt 
ihn einfach zum nächsten Postamt zu geben (Digipeater), gibt Ihnen eine 
H-Route 
eine Wegbeschreibung, die berücksichtigt, welche Postämter gerade voll sind, 
welche Straßen Stau haben und welche Route am schnellsten ist. 

Das Netzwerk wählt dynamisch den besten Weg für Ihre Datenpakete aus, um
sicherzustellen, dass sie gut ankommen.


(c) Autor: Holger Koch https://hokodata.com

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